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Chico's Place - exquisit in Jazz 'n' Soul

Chico in action

Am 01. April 1958 öffneten sich zum ersten Mal die Türen eines kleinen Clubs in der Rickmersstraße 51 in Bremerhaven Lehe, dessen Name 30 Jahre lang der Garant für heißen Jazz und die neueste Soul Musik war, und das weit über die Grenzen der Seestadt hinaus.
Chico´s Place, benannt nach seinem Eigentümer Chico (Asuquo) Eyo, der 1924 in Calabar (Nigeria) zur Welt kam, wurde schon wenige Jahre nach der Eröffnung zu einer Instanz und zu einer nationalen wie auch internationalen Legende.
Wie kam es dazu?

Durch die US Truppentransporter und amerikanischen Passagierschiffe kommen nicht nur die GIs nach Bremerhaven, sondern auch die Musiker, die an Bord dieser Dampfer spielen. Die „United States“, beispielsweise, bringt mit jeder Reise, wenn sie an der Columbuspier anlegt, exzellente Jazzer mit, die schon am frühen Abend mit ihren Instrumenten vor der Tür von „Chico´s Place“ stehen. Tolle Atmosphäre, Superstimmung und immer ein volles Haus mit hervorragender Musik, so etwas spricht sich schnell herum. Dass es nun gleich über den großen Teich von Soho bis New York sein würde, das ist schon außergewöhnlich und gleichzeitig ein Gütezeichen für die Qualität des Clubs.
Jeden Abend mischen sich junge Musiker aus der in Weddewarden stationierten Army mit Talenten aus Hamburg oder Bremen, oder der Seestadt selbst. Harald Eckstein, Harry Habla, der später als erfolgreicher Pianist nach New York und Las Vegas geht, aber auch Chico selbst bedient bei den meisten Sessions seine inzwischen berühmt gewordenen Congas oder Bongo Trommeln. Die Wände zieren Original Unterschriften von Jazzgrößen wie Dizzy Gillespie oder Prof. Dr. Peter Mico Joachim, den meisten wohl besser bekannt als  Billy Mo, einem außergewöhnlichen Trompeter aus Trinidad. Unvergessen sein gefühlvolles „Mitternachtsblues“ – Solo, das er neben vielen anderen Hits 1958 bei Bert Kaempfert in Hamburg einspielt, unvergessen sein Markenzeichen – der Tirolerhut. Ein Künstler, dessen solistisches Können bis heute leider viel zu wenig gewürdigt wurde.

Wer aber ist Chico Eyo, dass gerade sein kleiner Club solch ein Furore macht?
Den jungen Eyo drängt es direkt nach dem Absolvieren seiner Schulzeit in die große Welt. Am einfachsten ist das zu bewerkstelligen, sagt er sich, indem man „zur See“ fährt. Sein einziges Hab und Gut, seine Congas und das Talent, sie auch spielen zu können. In Deutschland gelandet, kommt ihm die Nachkriegszeit entgegen. Ausländische Künstler sind gefragt in Varietes und sogar in deutschen Spielfilmen. Chico glänzt als Partner von Peter Alexander und Rosita Serrano in dem Streifen „Die Dalmatinische Hochzeit“, der in den 50er Jahren für das deutsche Fernsehen gedreht wird. Mit den „Drei Rulands“, den „Zwei Ottorinos“ und diversen anderen großen Namen, tritt er mit seiner damaligen Partnerin als „Chico und Chic“ in unzähligen Varietes und Clubs des Nachkriegseuropas auf.
Was liegt also näher, als diesen international geläufigen Namen zu nutzen, um eine eigene Existenz aufzubauen.

Gäste wie auch Musiker erinnern sich selbstverständlich auch heute noch an den quirligen Mann hinter´m Cocktailtresen im „Blue Room“, Chico´s Cousin Hogan Kid Bassey, der eine ungewöhnlich erfolgreiche Boxkarriere im Leichtgewicht mit 59 Siegen (Weltmeister 1955, London) hinter sich hat, und 1998 verstirbt.
Fünf Jahre vorher aber schon, am 07.01.1993 wird Chico Asuquo Eyo von seiner Witwe und seinen beiden Kindern Patricia und Hogan beerdigt.
Da der Name bis heute einen guten Ruf genießt und immer noch in aller Munde ist, liegt es für Patricia und Hogan Eyo nahe, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, „Chico´s Place“ wieder aufleben zu lassen. Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber ein weiteres Live Musik Lokal in der Seestadt wird mit Sicherheit die Szene beleben.


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