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Aktuelles

Deadstring Brothers aus Detroit in Frelsdorf

So waren sie angekündigt

Das war nix. Es ging aber hoffnungsvoll los, und das mit einer Überraschung. Carsten Bostelmann schien erfreut, am Mittwoch, 16.11.11, einen Support Act vor den Deadstring Brothers ohne Aufpreis ergattert zu haben, The Society aus London. Ein bisschen viel eintönig klingendes Gestrumme auf der Gretsch, aber das Trio glich das mit dreistimmigen Gesängen und teilweise durchdachten Arrangements so gut aus, dass man dem Drummer sein Ungelenk schnell verzeihen konnte, legte man seine Rhythmusarbeit unter eingeübte „Begleitung“ ab. Eine funktionierende Basis mit einem engagierten Bassisten. Nach einem passablen Set und einer kurzen Pause dann das Wunder, nur Kurt Marschke (Gesang, E-Gitarre, Harp) kam hinzu, machte aus dem Trio ein Quartett, und die drei Engländer mutierten zur Staffage. Bruder Cullum am Bass vermittelte nämlich plötzlich den Eindruck mit dem Gesichtsausdruck der Londoner Towerbridge, als habe er mit dem Ganzen nichts mehr zu tun.

The Society - der "Support"

Wer sich die Mühe macht, ein bisschen zu recherchieren, der stößt auf die Zeilen: “The band has that ragged blues-meets-country-rock groove down cold, with plenty of slashing guitar work and a rhythm section that could pulverize concrete (Harp Magazine, USA)”. Brennende, schlitzende Gitarren (wörtlich übersetzt) und eine Beton pulverisierende Basis? Blues? Country Rock Groove? Es war eher eine langweilige, verunsicherte Rollator-Fahrt über abgehobelte Maisfelder, die immer noch mehr Farbe ans Auge lässt als der Mischmasch der Band ans Ohr. Dass es nach einem Mundharmonika Solo Zwischenapplaus gab, erinnerte ein wenig daran, dass bei einschläfernden Fußballspielen irgendwann ja auch Ausbälle beklatscht werden. Bei allem Respekt vor verschiedenen Geschmäckern, die Gitarrenarbeit vom Überbleibsel der hoch gepriesenen D.Brothers schlitzte an der Membran, und die, möglicherweise zu hohen, Erwartungen an die Gäste aus Amiland wurden im Handumdrehen pulverisiert. Man kann aber auch nachlesen, dass sechs Musiker im Laufe kürzester Zeit die Band von 2003 wieder verließen, und Kurt sich als das einzige Original Mitglied auf Europa Tour wagte. Während einer Tour durch England schlossen sich die Brüder Cullum (Gitarre, Bass) dem Frontmann an, der stimmlich streckenweise sehr an Rolling Stones Boss Jagger erinnerte, aber 70er Jahre? „Exile on Main Street“? Das bekommen die Stones besser nicht zu lesen, respektive, zu hören, sonst gibt’s nämlich Schelte.

Die wundersame Wandlung-The Dead Society

Die Befürchtung, dass solche Bands meistens so spielgeil sind, dass sie kein Ende finden, weil sie ein Endlos-Repertoire jammen, traf nicht ein. Als das letzte Stück des offiziellen Programms in Bostelmanns Saal verhallte, zeigten zwei Drittel des Publikums, dass sie für 15 Euro immerhin einen gewissen Unterhaltungswert mit nach Hause nehmen wollten. Vielleicht hatten sie aber auch den Gedanken, dass die angekündigten Brüder in ihrer originalen Besetzung etwas Überzeugenderes, einheitlich Urigeres abgeliefert hätten. Die geforderten Zugaben endeten mit einer gruseligen Waylon Jennings Version von „Good hearted Woman“, dass wohl selbst die noch lebende Legende Willie Nelson, einst bester Freund und Weggefährte des inzwischen im Musikerhimmel weilenden Waylon – hätte er sich dieses „Konzert“ angetan - frühzeitig in die Küche abgewandert wäre, um eine Bockwurst zu verdrücken. Für mich das einzig Heiße an diesem denkwürdigen Abend.


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