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Aktuelles

ZweitausenDelf

Long Black Veil-Stephan und Delf

Erinnern wir uns, im Januar 1979 geben die „Weser Kings“ Just Us ihr Revival Konzert im ausverkauften Stadttheater Bremerhaven mit Stephan Remmler, Delf Jacobs, Gert Krawinkel, George B. Miller und George Meier (Bass). Danach trennen sich ihre musikalischen Wege. Stephan und „Kralle“ landen mit Trio ihren Millionenhit „Da da da“, George und George B. touren und veröffentlichen mit Wolfsmond, und Delf zieht es nach Sabadell (Nähe Barcelona, Spanien), wo er auch in den Hafen der Ehe einläuft. Am 1.Juni 2008, fast 30 Jahre später, gibt es ein ausgelassenes Wiedersehen bei der Überraschungsparty für George B. (organisiert von Joe Schmidt ) zum 60. Geburtstag im Metropol.

Abstieg zur Bucht

Delf Jacobs verlegt seinen 64. Geburtstag auf Ibiza in den April 2011 wegen der Jahreszahl: ZweitausenDelf. Ich bin eingeladen, muss aber wegen meines zu flachen Portemonnaies leider absagen. Anfang März ruft Jochen Laschinsky (kurzzeitig Bassist bei Just Us) von der Bremer Oldie Band Blax an und fragt mich, ob ich moralische Bedenken haben würde, als das „Geschenk“ von ihm und Stephan aufzulaufen. Man möchte mich nur zu gern dabei haben. Beide wüssten nicht, was sie dem Geburtstagskind schenken könnten.. Obwohl mir sofort klar wird, ganz so ist es sicher nicht, bin ich aufrichtig berührt, kann nicht nein sagen, und überlege, welche Farbe die Schleife um meinen Hals haben soll. Drei Tage später habe ich die Tickets, Abflug Bremen, Donnerstag, 21. April.

Ellens Zauber-Akkordeon

Delf holt mich vom Aeropuerto Ibiza ab, so wie er weit mehr als die Hälfte seiner 80 geladenen Gäste persönlich nacheinander am Flughafen in Empfang nimmt und zu ihren Unterkünften chauffiert. Er hat für alles gesorgt, komplette Anlage zum Musizieren und tausend andere Dinge für eine mehrtägige Party, aber auch passend für Gestrandete eines Luxusliners, und in seinem 6m Wohnwagen verstaut, dann per Fähre über Barcelona angekarrt. Sich gegenseitig in die Arme nehmen muss jeder selbst, und damit wird nicht gegeizt. Jeder Tag ist Programm, Wanderungen durch die nahe Umgebung, die Abende gefüllt mit stimmungsvollem Beisammensein, feurigen Gesängen zum Akkordeon, Geschichten aus der Heimat und dem geistigen Archiv der Verankerungen. Alle tragen ein Namensschild, um einem Inkognito vorzubeugen. Und von überall sind sie angereist, die Remmlers aus Lanzarote, Gesa und Gorch aus Brasilien, die eigene Familie aus Hamburg und Oldenburg, und Andere aus der restlichen Bundesrepublik.

Achim und George B. Goode

In der Finca nebenan macht  Achim Reichel nebst Partnerin von seiner „Solo mit euch“-Tour Urlaub. Auch sie sind eingeladen. Am Samstagabend geht das Hauptevent im Restaurant mit Meerblick über die Bühne, und Stephan will sofort nach dem Essen seine zwei Lieder mit Delf singen, damit er es hinter sich hat. Er trinkt grundsätzlich nicht vor dem Abendessen. Geplant war, dass ich sie am Schlagzeug begleite. Dann die kurzfristige Änderung, weil zu Delfs Mandoline (oder war es doch eine Ukulele) ein Schlagzeug unpassend gewesen wäre, und ich denke schon, dass ich nicht mehr zum Einsatz komme; denn das Programm geht dem Ende zu. Blockflötenkonzert der Jacobs Familie, spritziges Puppentheater, eine Lebenslauf-Dia Show über das Geburtstagskind, Sketche, Achim Reichel mit „Wahre Liebe“, alles sehr premierig diszipliniert, eher kunstvoll witzig und herzlich unterhaltend. Da ruft Stephan lauthals meinen Namen durch den Saal, und in Sekunden ist es ein ganzer Chor, der mich fordert. Das Produkt einer Masseninfektion und das blinde Vertrauen in Stephans Aufforderung, denn kennen tut mich da niemand. Das trifft mich unvorbereitet. Ich muss nach vorn, weiß aber gar nicht mit was, und bitte um ein bisschen Unterstützung.

v.l.n.r.: Delf, Stephan, vorn Achim, hinten GB, Jochen, Jens Jacobs, Julian Laschinsky

Der Chuck Berry Klassiker „Johnny B. Goode“ soll es richten, und plötzlich ist die kleine Bühne voll mit gestandenen Muckern. Achim Reichel an der Ovation mit Steckdose, Stephan am zweiten Mikrofon, Jochen Laschinsky hilfreich auf standby zur Seite und akustisch, Julian Laschinsky am Bass, Helge Zumdieck (Ina Müller Band, Inga Rumpf) Schellenkranz, Jens Jacobs Tasten, der Gastgeber selbst am Kojon und Harmoniegesang, ein Saxophon bläst Westwind, und wir rocken das Haus. Ich bedanke mich, bin überglücklich, will wieder an meinen Platz, aber man lässt mich nicht. Ich singe und trommle „C´est la vie“ als Zugabe, und das Adrenalin nimmt mir den Atem und trocknet mir den Hals aus. Meine Flasche Rioja war aber vorher schon leer. Was geblieben ist, sind traumhafte Verankerungen, Erinnerungen an fünf wundervolle Tage im Kreise ausgesuchter Freunde und das feste Versprechen, sich in zwei Jahren wieder zu treffen.


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