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4 Way Street sind US Rails

Man hätte meinen können, eine Steigerung zu der Band of Heathens, die inzwischen schon zweimal ein Offdate in Bostelmanns Saal in Frelsdorf allererster Güte ablieferte, könne es gar nicht geben. Am Montag, 08. November 2010, kam nun ein weiteres Blue Rose Records Spitzenprodukt in den Landkreis, von dem man sagen muss, über Geschmack lässt sich streiten, über Qualität nicht, will sagen, wer immer nun versuchte einen Unterschied in beiden Formationen zu finden, in der Qualität gab es ihn nicht. Die US Rails (der Link zu ihrer myspace Seite für Hörproben -ehemals 4 Way Street) aus den USA beeindruckten in höchstem Maße, erzeugten Gänsehaut Feeling pur, und waren einfach nur unschlagbar grandios.

Joseph Parsons (inzwischen in Hannover lebend), Ben Arnold, Scott Bricklin, Tom Gillam und Drummer Matt Muir lieferten einen musikalischen Leckerbissen nach dem anderen ab, mal sanft streichelnd, mal furios und explodierend. So mag es unwirklich erscheinen, dass sich im Saal nur etwas mehr als eine halbe Hundertschaft beglücken ließ. Wo waren all die Musikbegeisterten, die Musiker selbst? Klar, ein Wochenendtag wäre schöner gewesen, aber das kann man sich bei Bands dieser Klasse als Veranstalter nicht aussuchen, will man die Preise moderat halten. Dennoch zeigte sich Parsons glücklich, dass es nicht nur vier oder fünf Gäste waren, die den Weg in die etwas abgelegene Stätte im Landkreis gefunden hatten, zumal so gut wie keine Reklame gelaufen war.

Die Ansprache war kurz, ihr folgte Musik zum Reinlegen, für permanente Fußgymnastik, aufrichtige Ergriffenheit während der Balladen. Anders als bei der BoH, die ja mit drei Gitarristen anreisten, spielte Tom Gillam filigrane und begeisternde Soli, immer dann, wenn es passte. Natürlich ist die Musik der Rails mit wesentlich weniger Improvisationen anders angelegt als die der BoH. Der fantastisch gesetzte, mehrstimmige Gesang a la C,S,N & Y oder Venice wurde nicht ein einziges Mal durch irgendwelche solistischen Manöver unterbrochen. Wer Herr der amerikanischen Sprache war, der verstand um was es ging, und da ging es wahrlich um keine „Lass ma gut sein“-Lyrik.

US Rails, das ist Americana, Folk- Roots Rock, Gitarrenrock, oder wie immer auch man es nennen mag, vom Feinsten. Alle boten stimmlich Besonderes im Einzelnen, zusammen sowieso (inklusive des Drummers). Joseph Parsons mit der warmen, sonoren Stimme, der wie kaum ein anderer den melodischen, sensiblen Folk Rock beherrscht, aber auch und gerade live mitunter richtig zupacken kann, muss nach all seinen Alben und unzähligen Tourneen - besonders auch in unseren Breitengraden - eigentlich niemandem mehr vorgestellt werden. Aber andererseits denke ich, es gibt genügend Menschen, die von dieser Musik nichts wissen, nichts wissen wollen und sagen, Parsons (nicht verwandt mit Gram), who the f... is he? Mitte dieses Jahrzehnts betrieb er neben seiner Solokarriere jene Formation mit dem Namen 4 Way Street, die mit ihrem Bandnamen sicher nicht ganz zufällig an das berühmte CSNY-Erfolgsalbum appellierten. Mit dabei waren Ben Arnold, Scott Bricklin und Jim Boggia, sowie im erweiterten Kreis Drummer Matt Muir. Während Boggia ausstieg, um eigenen Ambitionen zu folgen, machten die Übrigen nahtlos bei US Rails weiter und holten sich zur Komplettierung ihres Quintetts einen weiteren Eastcoast Rocker hinzu, den es erst vor zwei Jahren nach Austin, Texas verschlagen hat: Tom Gillam.

Zu guter Letzt die fast-a capella Nummer „Barbed Wire“ im lautstark geforderten Finale der Zugabe, ließ auch das härteste Herz erweichen, den gesottenen Coolie Farbe bekennen. Ein Titel aus dem 4 Way Street Album „Pretzel Park“. Ich bin mir sicher, am Ende des Konzerts wunderte sich Jeder, dass er kein hartes Parkett unter den Füßen spürte, eher etwas Wolkengleiches.


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