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Aktuelles

60 Jahre AFN (American Forces Network)

Wer erinnert sich nicht mehr an die Worte: „It´s me, Baby, I´m back“ oder „Let´s turn back the hands of time“ (Lasst uns die Uhren zurückdrehen) vom Superstar des amerikanischen Soldatensenders AFN, Wolfman Jack, nachdem er sein einzigartiges und durchdringendes Wolfsgeheul über den Äther geschickt  hatte.

Das American Forces' Network ist ein Kind des zweiten Weltkriegs. Auf allen Kriegsschauplätzen begleiteten transportable Sender die US-GIs mit Musik, Zerstreuung, Nachrichten und religiösen Sendungen. 1943 wurde in den Londoner BBC Studios der Sender begründet, der die US-amerikanischen Luft- und Bodentruppen in Europa unterhalten sollte. Die Gründung war nicht ganz reibungslos, denn die British Broadcasting Corporation wachte über ihr Rundfunkmonopol. Sie fürchtete zu Recht, dass sie Hörer an den Soldatensender verlieren würde, eine Erfahrung, die nach ihr noch viele andere europäische Stationen machen sollten. Im Vergleich zur amerikanischen Moderationsweise wirkten die Europäer immer etwas bieder, und die amerikanische Unterhaltungsmusik schlug die europäische ohnehin. Schon ein Jahr später begann AFN seinen ersten bundesweiten Sendebetrieb in Frankfurt aus einem LKW, bevor auch Bremen seine erste Station bekam. AFN Bremen verlegte dann etwas nördlicher, bekam sein eigenes Gebäude in Weddewarden, der ehemaligen "Staging Area", und nannte sich fortan AFN Bremerhaven.

Solche Standortwechsel wurden aber nicht einfach nach Gutdünken veranlasst. Als es bekannt wurde, dass der Sender Bremen verlassen sollte, bekam der lokale Kommandeur eine von über 10.000 Hörern signierte Petition, und die Verlegung fand erst drei Jahre später statt. Als dann die Mehrheit der Hörer aus dem Raum Bremerhaven kam, stand fest, das Gebäude 2 in der Carl-Schurz-Kaserne würde die neue Heimat werden, damals noch mit einem 1000 Watt Sender bestückt. Mehr musste nicht sein weil die meisten Sendungen von den größeren Stationen aus der gesamten Bundesrepublik übernommen wurden. 1945 verringerten sich dann die europaweiten Stationen von noch über 300 auf knapp 60 im Jahr 1949.

2006 - der 60. Geburtstag

2006 feiert AFN Bremerhaven seinen 60sten Geburtstag. Erinnerungen an Moderator Charly Tuna werden geweckt, oder die Sendungen von Casey Kasem zu Beginn der 70er Jahre, der Stimme der amerikanischen Top 40 Charts, berühmt durch seine „long-distance dedications (Hörerwünsche über den großen Teich) und die spannenden Geschichten, die er zu den einzelnen Songs wusste. Durch AFN wurde der amerikanische Swing Jazz in Deutschland populär, ebenso wie Country und Western und Hillbillie. Durch diesen Einfluss inspiriert, formierten sich u. a. zahlreiche Bands, die ihr Repertoire an dem ausrichteten, was sie dem Radio entnahmen, und es in Clubs und so genannten Gesellschaftshäusern zum Tanz spielten. Als in den USA wegen des Koreakriegs die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, kam ein Jazzmusiker als GI nach Deutschland, der bis heute geblieben ist, und die Jazz- und Blues Szene um einiges bereicherte und es noch tut, Bill Ramsey. Im damals berühmten (und heute noch existierenden) Jazzkeller in Frankfurt von einem AFN Mitarbeiter entdeckt, wurde Ramsey für diesen speziellen Bereich der GI Betreuung engagiert, wo er wenig später sogar zum Chefproduzenten avancierte.

Frequenz 107,09 MHZ

Wenn die enorm große deutsche Hörergemeinde eher den Musiksendungen lauschte, sich teilweise von DJ Tom Tucker´s „Wake up easy“ wecken und mit dem „Stickbuddy Jamboree“ oder „Five o´ Clock Club“ den Feierabend einläuten ließ, war der Sender ja ursprünglich zur aktuellen Nachrichtenübermittlung und Unterhaltung seiner in Übersee stationierten Soldaten gedacht. Andererseits war der Einfluss auf Teenager Mitte der 50er Jahre enorm. War es doch zuhause bei ihnen üblich, dass die Eltern das Radioprogramm gestalteten mit „Wie es euch gefällt“- Musik von Rudi Schuricke und Schlagern, sozusagen Sendungen, die für junge Ohren eher  „althergebracht“ waren. Also wurde jede Gelegenheit direkt nach der Schule wahrgenommen, die Eltern gingen noch ihrem Beruf nach, um auf die Frequenz 107,09 MHZ zu schalten. Schularbeiten wurden zur herrlichsten Nebensache der Welt.

Als dann 1954 die Rock n Roll Welle aus den USA nach Deutschland rüberschwappte, gab es für die Jugend kein Halten mehr. Die Schallplattenläden, wie beispielsweise Radio Eigner in der Hafenstraße, wurden zu Treffpunkten der jungen Leute, die ganz versessen darauf waren, das Neuste ihrer Lieblinge mit nach Hause nehmen zu können. Deutsche Rock n Roll Stars wie Peter Kraus, Cornelia Froboes, Ted Herold wurden geboren mit dem Sound von Elvis Presley, Bill Haley und diversen anderen Heroes. Hören und tanzen, im Bürgerhaus Lehe bei den Tanztees oder in der Tanzschule Eichentopf, die den Rock n Roll zelebrierte und lehrte.

Star Moderator Ron Jenkins

Der Superstar für AFN Bremerhaven war zweifellos DJ Ron Jenkins, wenngleich der auch eher die ruhige Welle mit Ray Conniff und Bing Crosby in seiner Sendung „Dance on two Continents“ fuhr. Aber so einigten sich Eltern und ihre Sprösslinge beispielsweise auf diesen Sender. Weil die Mehrheit der Jugendlichen der englischen Sprache, oder besser, dem amerikanischen Slang nicht mächtig war, merkte man sich die Zeiten seiner Lieblingssendung. AFN Bremerhaven war überall live vor Ort, wo es etwas über ihre Soldaten zu berichten gab. Auf dem Philipps Field spielten die US Boys der „Blackhawks“ American Football. Immer wenn das „Deutsch-Amerikanische Volksfest“, eine Parallelveranstaltung zum Freimarkt, gegenüber vom Wilhelm-Kaisen-Platz stattfand, gab es eine eigene Plattform, um direkt vom Ort des Geschehens zu berichten. Bei der ersten Teenager Miss-Wahl, ebenfalls von AFN initiiert, gewann die damalige Bremerhavenerin Eike Petzel. War AFN Frankfurt stolz darauf, einen Tommy Cash, den Bruder des kürzlich verstorbenen Country Stars Johnny Cash, als Moderatoren zu haben, so war Bremerhaven glücklich mit einem Ron Jenkins, Mitbegründer der legendären „Northwinds“. Bei einer Messe in der kleinen Kirche (heute ein 50er Jahre Museum) auf dem Kasernengelände in Weddewarden hörte Jenkins den Bremerhavener Manni Müller, als der den „Messias“ von Händel vor besetzten Rängen sang. Begeistert von seinem Vortrag, fragte er ihn, ob er Lust hätte, neben Barbara Goecke, John Ready und ihm selbst, erstes deutsches Mitglied dieser Formation zu werden. Die Probeaufnahmen wurden unter einfachsten Bedingungen per Tonband im Moderationsraum eingespielt und kurz darauf gesendet.

Einen Monat nach dem 30jährigen Geburtstag des Senders, bekam AFN Bremerhaven als erste Station im August 1975 Farbfernsehen. Ein weiteres Mal sollte sich die Erfindungsgabe des Stabes bezahlt machen. Da man gern live und aktuell berichten wollte, die Räumlichkeiten aber nach wie vor dafür nicht geschaffen waren, lud man die Gäste ins Studio - die Kamera wurde auf der gegenüber liegende Toilette installiert.

Änderung des Sendekonzepts

Mit der Truppenreduzierung nach dem Golfkrieg und dem Ende des kalten Krieg in Europa, wurden Stationsschließungen unvermeidlich. 1993 stellte AFN Bremerhaven seinen Sendebetrieb ein. Seit April 2006 hat sich das Sendekonzept für Europa nach kanadischem Beispiel geändert. Eingeführt wurde ein Basis-Block-Sendemodell unter dem Namen: „AFN – The Eagle-Music worth fighting for“. Die Zentrale in Mannheim produziert nun ein 24-stündiges Basisprogramm. In diesem Basisprogramm sind verschiedene Musikrichtungen, AFN-Sendungen und gekaufte Radioprogramme gemixt. Populäre Sendungen wurden aus dem Programm genommen, eine Qualitätssteigerung im Bereich Musik angestrebt und durchgesetzt. Dadurch hat „The Eagle“ sicher an Individualität verloren, zumal auch die alten, zum Teil mit viel Liebe und Witz selber produzierten Jingles größtenteils verschwunden sind.


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